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Zwischen Glamour und harter Arbeit

Seit acht Jahren führt Christa Rigozzi an dieser Stelle die grossen FINE TO DINE Interviews mit den Coverpersönlichkeiten aus Politik, Kultur, Sport und Gesellschaft. In dieser Ausgabe kehrt Verleger Ralph Lindenmann für einmal den Spiess um und grillt die Schweizer Showgrösse als Journalistin, Köchin und Genussmensch. Das Interview wurde in der Locanda Orico in Bellinzona geführt.

Ralph Lindenmann: Worin besteht für dich der Unterschied zwischen Journalismus und Kochen?

Christa Rigozzi: Beim Kochen entsteht ein Gericht, beim Journalismus eine Geschichte. Beides braucht Leidenschaft, Kreativitätät und gute Zutaten.

Was liegt Dir besser in der Hand, der Kochlöffel oder das Mikrofon?

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Ehrlich gesagt: Das Mikrofon habe ich in der Hand, den Kochlöffel aber im Herzen.

Was reizt dich am Porträtieren von Menschen?

Am liebsten stelle ich Fragen, die überraschen und deren Beantwortung neue und unbekannte Seiten der Interviewten zeigen.

Wen befragst du lieber, Politiker oder Prominente?

Mich faszinieren beide. Politiker, weil sie Haltung zeigen müssen. Und Prominente, weil oft mehr in ihnen steckt als man auf den ersten Blick glaubt.

Wie bereitest du dich auf ein Interview vor?

Wie beim Kochen. Zuerst trage ich die Zutaten zusammen. Lesen, Schauen, Hören - und vor allem überlege mir, wie ich mein Gegenüber abholen und aus der Reserve locken kann. Aus den Erkenntnissen dieser Recherche komponiere ich dann das Fragenmenü.

Gibt es Parallelen zwischen dieser Vorbereitung und einer Mise en place?

Beides ist die halbe Miete für das Endprodukt! Ohne Mise en place brennt das Essen an, und ohne Vorbereitung bleibt das Interview oberflächlich.

Für FINE TO DINE führst du seit acht Jahren grosse und persönliche Interviews. Welches war das schönste?

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir Gespräche, bei denen ich etwas wirklich Neues von meinem Gegenüber erfahren habe. SRF-Moderator Kurt Aeschbacher zum Beispiel hat sich, für mich unerwartet, von einer ganz privaten Seite gezeigt.

Und das Lustigste?

Lustig sind immer sponante und unvorhergesehene Momente. Ein Lacher, ein Versprecher, eine spontane Anekdote; sie machen ein Interview lebendig. Sehr lustig war’s etwa mit dem Schauspieler, Sänger und Gemeindepräsident von St. Moritz, Christian Jott Jenny. Wir hatten zwei Stunden über Mittag eingeplant; aber wir sind bis am Abend sitzen geblieben und haben viel gelacht.

Gab es Enttäuschungen?

Ein Interview hinterlässt dann einen schalen Nachgeschmack, wenn Gesprächspartner gar nicht wirklich ins Gespräch kommen wollen oder nur PR-Gemeinplätze von sich geben. Das enttäuscht mich immer, denn ich glaube, dass jeder und jede eine spannende Geschichte zu erzählen hätte.

Verrätst du uns deinen Traumgast für diese FINE TO DINE-Rubrik?

Roger Federer, weil er Inspiration, Stärke und Wärme verbindet. Und weil er wohl auch aus der Küche plaudern würde ...

Hast du schon Absagen von Wunschgästen erhalten?

Ja, das ist vorgekommen, und ich habe es nicht verstanden. Die Begründung war meistens Zeitmangel. Ich finde halt, für ein gutes Gespräch sollte man sich immer Zeit nehmen. In zwei Fällen hat mir nicht einmal der Angefragte selber einen Korb gegeben, sondern sein Management. Und die Person selber hat es gar nicht gewusst. 

Aber nun ab in die Küche, Christa. Was wärst Du, wenn Du ein Gericht wärst?

Spaghetti aglio, olio e peperoncino. Simpel, aber mit Biss. Italienisch, ehrlich, und immer mit einer angenehmen Schärfe.

Welches Gewürz?

Salz. Weil ohne Salz alles fad bleibt. Und weil ich gerne Würze ins Leben bringe.

Küchenwerkzeug?

Schwingbesen. Vielseitig, schnell, manchmal etwas chaotisch, aber immer effektiv.

Aber nun im Ernst: Welches ist dein Lieblingsgericht?

Da gibt es viele, aber ein guter Risotto geht mir über alles. Beim Essen ist er pure Kindheitserinnerung. Und beim Kochen Meditation.

Was servierst du Gästen?

Mediterrane Küche, die ganze Palette. Frische Pasta, Risotto, Fleisch, Gemüse aus dem Garten, dazu ein gutes Glas Wein. Besonders gerne mache ich meine spezielle Lasagne, fatte naturalmente alla casa (Rezept siehe nächste Seite).

Welche Genussmittel beflügeln dich beim Kochen und beim Schreiben?

Beim Kochen ein Glas Weisswein. Beim Recherchieren ein starker Espresso.

Wie hältst du es als Schwester eines Winzers mit dem Wein?

Ich liebe ihn, aber fast noch mehr die Geschichten dahinter. Die Arbeit im Rebberg, die Liebe bei der Herstellung, die Leidenschaft, die sich im Glas materialisiert.

Was kochst Du, wenn es schnell gehen soll?

Meinen Spezzatino di manzo. Das Rezept verrate ich im neuen FINE TO DINE 

Und wenn es dauern darf?

Pasta. Mit gutem Olivenöl, Cherrytomaten, frischem Basilikum. Basta.

Einige Rezepte finden wir in deinem 2016 erschienenen Buch. Wohin würdest du uns aktuell zu einer kulinarischen Reise entführen?

Nach Sizilien, zu frischem Fisch, Zitronen, Pistazien und Sonne auf dem Teller.

Zum Schluss: Stimmen die Gerüchte über ein Filmprojekt mit dir als Schauspielerin?

Ja, die stimmen. In «Frontaliers Sabotage» spiele ich in meiner ersten Filmrolle die Generalin Christa Esposito. Es geht um Sabotage am Geschmack von Schweizer Schokolade durch einen mutmasslichen Mafioso. Die Komödie kommt um Weihnachten ins Kino.

Was bringt die Zukunft sonst?

Journalistisch möchte ich weiterhin spannende Menschen interviewen. Und kulinarisch? Wer weiss? Vielleicht ein neues Buchprojekt?

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