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«Ein Tag ohne Termine wäre ein Happy Day!»

Nik Hartmann ist einer der beliebtesten Radio- und TV-Moderatoren der Schweiz. Seit Jahren begeistert er das Publikum mit seiner authentischen Art, seiner Neugier auf Menschen und seiner Leidenschaft fürs Entdecken. Mit Christa Rigozzi spricht der Luzerner über seine Karriere und sein Leben abseits der Kamera. Und natürlich über Kochen, Essen und Geniessen.

Christa Rigozzi: Nik Hartmann – Moderator. Entdecker. Abenteurer. So würde ich dich in drei Worten beschreiben. Und du?

Nik Hartmann: Ausprobieren. Scheitern. Wieder ausprobieren. Das war und ist mein Weg.

Wann hast Du gespürt, dass Fernsehen dein Leben wird?

Den einen Moment gab es nicht. Mein Einstieg ins Bildmedium war nicht so steil, dass er Knall auf Fall alles verändert hätte. Meine Karriere hat sich Schritt für Schritt organisch entwickelt.

Hat dich die Arbeit vor der Kamera verändert?

Weniger als die Rolle als Vater von drei Söhnen. Die gibt in meinem Leben seit vielen Jahren den Takt an. Das Familienleben mit Melchior und seiner Beeinträchtigung waren, sind und bleiben für uns alle eine Herausforderung. Sie hat das Verständnis von meiner Aufgabe in dieser Welt stärker beeinflusst als jede Kamera und alle Mikrofone.

Wie wirkt sich diese Einstellung auf deine Sendungen aus?

«Mein» Fernsehen ist unglamourös. Ich erzähle Geschichten von und über «normale» Menschen, in denen ich ihren und meinen Emotionen genügend Raum geben kann. Diese Unaufgeregtheit liegt mir.

Da ist die Samstagabendsendung «Happy Day» ja auf dich zugeschnitten ...

Das empfinde ich so. Der Moment, wenn ich bei jemandem an der Tür klingle und weiss, jetzt habe ich die Chance, bei der überraschten Person die Emotionen abzuholen, ist einmalig und unbezahlbar. Ich werde keinen dieser berührenden Augenblicke je vergessen.

Welches sind deine Stärken als Moderator?

Das sollen andere beurteilen. Meine Art, eher zurückhaltend auf die Leute zu-, dann aber auf sie einzugehen, spielt sicher eine Rolle. Solche Komplimente erhalte ich oft, und ich gebe sie postwendend an meine Eltern weiter, die mich so erzogen haben.

Wie hat deine TV-Karriere begonnen?

Mit Wandern. Ich war damals 30 Jahre alt, niemand, den ich kannte, wanderte, es war total unsexy. Aber das Konzept «SRF bi de Lüt – Über Stock und Stein» mit meiner Hündin Jabba hat trotzdem voll eingeschlagen. Das hat viel mit Glück zu tun.

Gab es einen Moment in deiner Karriere, der dich besonders stolz gemacht hat?

Am Ziel jeder Wanderung war ich stolz auf mein Team, mit dem ich den Erfolg der Sendung teilen durfte. Stolz auf mich war ich, als ich von den pensionsberechtigten Jobs bei der SRG in die Privatwirtschaft wechselte. Und Stolz verspürte ich definitiv nach der gelungenen Rückkehr auf den SRF-Bildschirm letztes Jahr mit «Happy Day».

In deiner Arbeit hast du das ganze Land kennengelernt. Welcher Ort hat dich überrascht?

Jede Berghütte, immer wieder. Eine SAC-Hütte ist für mich das Paradies. Eine spezielle Entdeckung war das Valle di Muggio im Südtessin. Das sage ich jetzt nicht wegen dir (lacht). Pittoreske Grotti überall, und Gialdi mit seinem feinen Merlot. So schön!

Wenn du heute «carta bianca» für eine Reisesendung bekämest: Wohin ginge es?

Ich fühle mich dem schwarzen Kontinent innerlich sehr verbunden. Ich bewundere die Art und Weise, wie die Menschen dort zusammenleben. Bis jetzt kenne ich nur den Süden Afrikas, der Südwesten würde mich sehr interessieren.

Was hast du auf deinen Reisen über Menschen gelernt?

Die Herausforderungen des Lebens meistert man am besten, wenn man miteinander redet. Wer Interesse zeigt und neugierig ist, dem eröffnen sich neue Welten – immer und überall.

Weshalb hast du eigentlich vor fünf Jahren das Schweizer Fernsehen SRF verlassen?

Ich wollte nicht bequem werden im Erfolg und der Sicherheit. Ich wollte selber entscheiden, wann ich aufhöre und nicht warten, bevor andere mich verabschieden. Und meine Aufgabe als Leiter Eigenproduktionen bei CH Medien hat mir neue Chancen eröffnet.

Was für ein Mensch steckt im Moderator und Produzent Hartmann?

Wieviel Platz haben wir? (lacht). Sagen wir: Hartmann ist sehr, sehr, sehr, sehr vielseitig interessiert und deshalb leider häufig gestresst. Positiv formuliert: Ich bin eine Gastgebernatur. Bei mir soll man sich immer wohlfühlen, geschäftlich und privat.

Was ist dein Rezept gegen Stress?

Ich versuche, im Moment zu leben und ganz auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Mich stresst meistens die Vorstellung, was ich noch alles erledigen muss. Manchmal greife ich dann zur Querflöte. Wenn ich musiziere, sind Körper und Geist an einem anderen Ort als bei der To-do-Liste.

Wo holst du dir Energie?

Mit ein paar Freunden gehe ich einmal in der Woche turnen. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, wie gut mir körperliche Bewegung tut. Am Wochenende gibt’s wenn immer möglich eine längere Runde mit dem Hund, ohne Handy, WhatsApp und Podcast.

Wie sieht bei dir ein terminfreier Tag aus?

Das wäre in der Tat ein «Happy Day», aber den gibt es nie. Hätte ich einen, würde ich einfach loslaufen. Allein, ohne Plan und ohne Ziel.

Hast du ein Hobby, von dem wir nichts wissen?

Rasenmähen entspannt mich wirkungsvoller als eine teure Coachingstunde. Ich würde nie einen Mähroboter kaufen.

Ohne welches Ritual wäre dein Alltag nicht komplett?

Essen mit der Familie. Ob am Mittag oder abends: Mindestens einmal täglich sitzen wir alle am gleichen Tisch.

Nik Hartmann

Was bedeutet gut Essen für dich?

Jetzt, wo Du’s sagst: Es ist mein wichtigstes Hobby nach Arbeiten und Schlafen (lacht). Eine feine Mahlzeit erlebe ich als Wohltat und Erholung pur!

Bist du eher der Typ «Gourmet» oder «Rösti in der SAC-Hütte»?

Sowohl als auch. Aber Andreas Caminada, Nenad Mlinarevic und Elif Oskan haben mir in meiner Sendung «Masterchef Schweiz» den Zugang zur Spitzenküche eröffnet. Seither sind Sternelokale ein Familienhobby bei Hartmanns, meine Frau Carla und die beiden Söhne lieben es.

Welches Gericht erinnert dich an deine Kindheit?

Griesköpfli.

Gries... was?

Eine Art Pudding aus Gries mit Rosinen drin. Den machst Du in einer Gugelhopfform und servierst ihn mit reichlich Himbeersirup. So hat’s meine Mutter zum Znacht gemacht. Als Hauptgang, nicht als Dessert!

Was war das aussergewöhnlichste Gericht, das du jemals probiert hast?

«Cozido das Furnas», eine Spezialität der Azoren. Man legt Fleisch, Würste, Gemüse, Reis und Kartoffeln in einen Topf und vergräbt ihn im warmen Boden der Vulkaninsel, wo er dann sieben Stunden vor sich hinschmort. Köstlich!

Wie kochst du für Freunde?

Je älter ich werde, desto einfacher. Früher habe ich vier Gänge komponiert und perfekt angerichtet, mit Pinzette und allem Drum und Dran. Mittlerweile schiebe ich nach dem Motto «Einfach, aber gut» einen feinen Braten in den Ofen und serviere selbstgemachten Kartoffelstock dazu. Hauptsache, ich stehe nicht nur in der Küche, sondern bin bei den Gästen am Tisch.

In welches Schweizer Restaurant gehst Du gerne?

Ich mag kreative, vegetarische Küche. Gerichte wie Kunstwerke. Das versteht mein Namensvetter Dominik Hartmann im Restaurant Magdalena in Rickenbach aus dem ff.

Welcher Landesteil bietet dir die authentischsten kulinarischen Erlebnisse?

Die Bündner Küche hat mit Capuns, Pizzoccheri und Salsiz ein sehr prägnantes Profil. Ins Tessin geht man wegen Manzo brasato mit Polenta und einem Stück Käse obendrauf. Die Romandie glänzt mit Käsespezialitäten und ihren Saucissons. So hat jede Region ihre Spezialitäten, und das macht die gastronomische Vielfalt unserer Heimat aus.

Ein paar schnelle Fragen: Welches ist Dein Lieblingsgericht?

Hörnli und Ghackts mit Öpfelmues. Ohne Messer und Gabel, nur mit einem Löffel.

Kaffee oder Tee?

Früher Kaffee. Heute Tee.

Berg oder Meer?

Mittlerweile Meer.

Fine Dining oder Street Food?

Fine Dining.

Frühaufsteher oder Nachtmensch?

Nachtmensch.

Ein Blick noch in die Zukunft: Welchen beruflichen Traum möchtest du dir noch erfüllen?

Einmal fürs Theater zu schreiben. Eine Idee zu konkretisieren, einzudampfen und in Echtzeit als Geschichte auf einer Bühne erzählen zu lassen von Akteuren, die spielen, was ich mir ausgedacht habe: Dieser Gedanke hat mich schon als Kind fasziniert.

Was motiviert dich, nach so langer Zeit im Beruf wach und neugierig zu bleiben?

Die philosophische Antwort wäre: Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt. Die pragmatische lautet: Ich muss Geld verdienen, um mich und meine Familie zu ernähren. Wie die meisten von uns. Ich darf es einfach in einem grossartigen, spannenden und abwechslungsreichen Job tun. Das ist Motivation genug.

Nik Hartmann (*1972) begann seine Karriere als Radio- und TV-Moderator bei den Privatradios extraBERN und Radio 24. Von 1999 bis 2020 arbeitete er für das Schweizer Radio und Fernsehen SRF bei Radio SRF 3 und in TV-Sendungen wie «Fensterplatz» und «SRF Bi de Lüt – Über Stock und Stein». Seit Juli 2020 hat er die Co-Leitung der nationalen TV-Eigenproduktionen im Verlagshaus CH Media inne und ist im Oktober 2025 mit der Moderation der Samstagabendsendung «Happy Day» zu TV SRF zurückgekehrt. Abseits von Kamera und Mikrofonen engagiert sich der Afrika-Fan als Botschafter von SolidarMed für die Gesundheit der Menschen auf dem schwarzen Kontinent, im Rat der Schweizer Berghilfe und im Ausschuss der Stiftung Cerebral für Menschen mit cerebraler Beeinträchtigung. Hartmann ist verheiratet und Vater von drei Söhnen.

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