Anonymer Koch? Von wegen!

Claudio Del Principe ist erfolgreicher Food-Blogger, Koch und Buchautor. Im Interview mit Nadja Borer erzählt er, was einen guten Blog ausmacht und wieso es bei ihm keine Werbung gibt.

Sie gehören zu den Food-Bloggern der ersten Stunde. Wie kamen Sie dazu?
Als freischaffender Texter habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, frei über das schreiben zu können, was mich am meisten interessiert: Essen, Kochen, Geschichten erzählen. Dass das so viele Menschen lesen und Verlage Bücher mit mir machen wollten, hat mich dann doch sehr überrascht – und glücklich gemacht. Heute sind über die Hälfte meiner Auftraggeber Unternehmen, die mich über meinen Blog gefunden haben.

Wieso liegen Food-Blogs dermassen im Trend?
Ich glaube, es ist die Vielfalt, die es ausmacht. Es gibt ja unendlich viele liebevolle, persönliche Rezepte und Geschichten zu entdecken. Im Gegensatz zu eher anonymen redaktionellen Texten und Inhalten kann man sich in Food-Blogs immer auch selber finden, mit jemandem identifizieren und über die Kommentarfunktion persönlich austauschen.

Viele Food-Blogs stellen fast ausschliesslich kommerzielle Plattformen dar. Weshalb ist Ihr Auftritt anders?
Ich wollte von Anfang an einen werbefreien Blog, weil ich selbst am liebsten werbefreie Blogs lese. Ich finde es schlicht glaubwürdiger ohne Werbung. Man stelle sich vor, wenn ein Bekannter während des Kochens und Geniessens immer wieder ein Produkt bewirbt. Das wäre grotesk, und man würde fragen: «Alter, was stimmt mit dir nicht?»

Womit beschäftigen Sie sich auf Ihrem Blog am liebsten?
Die Liste der langen Beiträge, die ich gerne veröffentlichen möchte, wird immer länger! Die schnelleren Medien Facebook und Instagram sind verlockend, weil man auf kürzere Berichte viel mehr Reaktionen bekommt. Da muss ich aufpassen, den Blog nicht zu vernachlässigen. Als Gefäss für vertiefte Artikel schlummert noch Potential, das ich ausschöpfen möchte und so meiner Leserschaft mehr bieten kann.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsrezept?
Das ändert natürlich laufend. Im Moment die «radikale Rüeblitorte» aus meinem neuen Kochbuch «al forno». Völlig neu erdacht und mit unverschämt viel Geschmack. Bin gespannt, wie die ankommt.

Was zeichnet für Sie einen richtig guten Food-Blog aus?
Die Einzigartigkeit der Geschichten, Rezepte und Bilder. Einen guten Food-Blog zu finden, ist wie eine Freundschaft mit einem interessanten Menschen zu schliessen. Ich liebe es, wenn jemand sehr hohe ästhetische Ansprüche hat, seine Erfahrungen, sein Wissen und seine Geheimtipps teilt.

In welche Richtung werden sich die Szene und die Interessen der User in den nächsten zehn Jahren entwickeln? Food-Blogger werden immer mehr auch zu Kochbuchautoren, Referenten und Botschaftern. Ich glaube, die Diversifizierung wird zunehmen. Wer kulinarische Kompetenzen besitzt und etwas darüber zu erzählen hat, wird viele Möglichkeiten finden, sich als Food-Blogger einen Namen zu machen und sich damit beruflich zu profilieren.