«Ich würde gerne kochen und tanzen können»

Nach einer erfolgreichen Karriere als Profifussballer ist Marco Streller heute Sportchef des FC Basel. Sein Job ist hektisch, Entspannung kommt manchmal zu kurz. Mit welcher Methode der 37-Jährige zu relaxen versucht und was er in seinem Leben gerne noch lernen würde, erzählt er im Interview im Restaurant Papa Joe's.

Marco Streller, seit Juni 2017 sind Sie Sportdirektor des FC Basel. Wie darf man sich Ihren Alltag vorstellen?
Ich treffe immer zwischen 7:30 und 8:00 Uhr im Büro ein. Zuerst beantworte ich e-Mails, dann sitze ich mit meinem Team zusammen und wir besprechen den Tagesablauf. In meinem Job ist eigentlich kein Tag wie der andere. Regelmässig ist nur der Austausch mit dem Trainer.

Wann hört Ihr Arbeitstag in der Regel auf?
Erst wenn ich ins Bett gehe, gegen Mitternacht. Es kann vorkommen, dass ein Agent spät abends anruft oder dass ich mich mit Leuten aus dem Team austausche.

Was sind die drei Haupteigenschaften, die Ihren beruflichen Erfolg ausmachen?
Herzblut, Geduld und eine sehr dicke Haut.

Letztere haben Sie sich ja als Spieler angeeignet.
Ja, aber als Sportchef ist es nochmal etwas ganz anderes. Man wird anders beurteilt. Nicht nach der eigenen sportlichen Leistung, sondern aufgrund der Leistung der gesamten Mannschaft.

Vor etwa drei Jahren haben Sie Ihre Karriere als Profifussballer mit 34 Jahren beendet. Wie viele Kilos haben Sie seither zugenommen?
Gar keine! Ich habe zwei abgenommen und wiege jetzt 86 Kilogramm. Muskeln sind ja bekanntlich schwerer als Fett (schmunzelt).

86 Kilos bei einer Körpergrösse von 1 Meter 96? Ist das nicht fast schon untergewichtig?
Nein, nein, keineswegs! Aber ja, ich könnte schon noch mehr Muskeln aufbauen, das braucht halt Zeit. Aber gegenüber früher zeichnet sich heute manchmal ein kleines Bäuchlein ab. Da trainiere ich dagegen an.

Sie wirken sehr schlank. Ich glaube, mit dem «Bäuchlein» haben Sie ein Luxusproblem. Kann das sein?
Haha! Ja, Sie haben recht.

Wie sieht Ihr heutiges Sportprogramm aus?
Joggen, Tennis und Fussball. Ich versuche, jeden Tag Sport zu treiben, aber in meinem Job ist das oft schwer.

Sie sind bei jedem FCB-Match dabei, fiebern mit, feuern an. Was tun Sie zur Entspannung?
Das ist tatsächlich sehr schwierig. Ich versuche es derzeit mit Meditation. Ich nehme mir zweimal am Tag eine Viertelstunde freie Zeit, lege das Smartphone beiseite. Versuche, die Gedanken loszulassen. Das tut gut. Manchmal gelingt es besser, manchmal weniger.

Zählt essen für Sie auch zur Entspannung oder ist es reine Nahrungsaufnahme?
Nein, ein gutes Essen in guter Gesellschaft ist absolut entspannend.

Worauf achten Sie besonders bei Ihrer Ernährung?
Ich liebe gutes Essen. Da meine Frau Ernährungsberaterin ist, achtet sie zuhause auf ausgewogene Ernährung. Wir essen viel Früchte und Gemüse.

Auf welche Nahrung verzichten Sie generell?
Ich esse keine Innereien; es schmeckt mir nicht.

Kochen Sie zuhause?
Nein, ich kann leider nicht kochen. Zusammen mit Standardtanz ist das aber etwas, das ich sehr gerne lernen würde.

Welches ist Ihr absolutes Lieblingsgericht?
Ich liebe Raclette.

Klassisch nur Käse – oder mit Fleisch auf dem Tischgrill?
Klassisch, manchmal mit Specktranchen.

Was hat es bei Ihnen immer im Kühlschrank?
Schokolade. Und im Tiefkühler immer Eiscrème, auch im Winter. Ich bin ein bisschen süchtig nach beidem.

Was heisst Genuss für Sie?
Ein gutes Essen, eine gute Flasche Wein, gute Gesellschaft.

Was ist Ihnen in einem Restaurant am wichtigsten?
Es sollte ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren sein: Freundliche Bedienung, stimmiges Ambiente, ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Wenn die Qualität stimmt, bezahle ich auch gerne ein bisschen mehr.

Was mögen Sie als Gast gar nicht?
Wenn die Bedienung zu präsent ist, einem zu viel Aufmerksamkeit schenkt. Manchmal ist weniger hier mehr.

Welches Ziel haben Sie für den FC Basel in der Wintersaison?
Ziel ist, dass der ganze Verein ein bisschen zur Ruhe kommt und wir erfolgreich überwintern.